Wenn die ganz Kleinen sich das erste Mal von Mama oder Papa trennen sollen, um den Vormittag in einer Gruppe allein zu verbringen, gehen wir in unserer Spielgruppe besonders behutsam vor. Jedes Kind erhält so lange Zeit, wie es benötigt, um sich sicher und wohl zu fühlen. Bei der Eingewöhnung orientieren wir uns am Berliner Modell. Dieses gliedert sich in drei Phasen: die Grundphase, die Stabilisierungsphase und die Schlussphase. Dabei passen Jutta und Karin in Rücksprache mit den Eltern die Länge der einzelnen Phasen den individuellen Bedürfnissen des Kindes an. Auf diese Weise gehen wir sicher, dass sich jedes Kind in der Spielgruppe wohl fühlt und mindestens zu einer der Erzieherinnen eine stabile, vertrauensvolle Beziehung aufgebaut hat.

Die Phasen im Detail

Grundphase
In der Spielgruppe gehen wir von vier Tagen Grundphase aus. Das heißt, dass die Eltern eine Woche und einen Tag mit dem Kind die Spielgruppe besuchen. Natürlich kann diese Aufgabe auch von einer anderen Person, die das Kind als sichere Bezugsperson erlebt, übernommen werden. Ihre Aufgabe ist es, ein sicherer Hafen und ein Vorbild für die Kinder im Kreis zu sein. Sie machen Singspiele, die „Wanderung“ und den Frühstückskreis mit und spielen mit den Kindern. Später nehmen sie am Abschlusskreis teil und begleiten die Kinder auf dem Rückweg zum Tipi-Platz. Wichtige Grundregel dabei: Die Eltern drängen ihr Kind nicht, sich von ihnen zu entfernen und akzeptieren, wenn es ihre Nähe sucht. Gleichzeitig nehmen Jutta und Karin vorsichtig über Spielangebote oder eine Beteiligung am Spiel des Kindes Kontakt zum ihm auf, ohne es zu drängen. In diesen vier Tagen gibt es keinen Trennungsversuch.

Am fünften Tag (wenn es ein Montag ist, am sechsten Tag) wird ein Trennungsversuch unternommen. Anhand der Reaktion des Kindes können Jutta und Karin in Rücksprache mit den Eltern eine vorläufige Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnungsphase treffen. Wenn mehrere Eltern gleichzeitig ihre Kinder eingewöhnen, stimmen sich Eltern und Erzieher untereinander ab, so dass immer nur ein Trennungsversuch zur Zeit stattfindet.

Der erste Trennungsversuch

Nach dem Frühstückskreis verabschiedet sich das Elternteil vom Kind, geht aus dem Blickfeld und bleibt in der Nähe. Die Reaktionen des Kindes sind der Maßstab für Fortsetzung oder Abbruch dieses Trennungsversuchs:

  • Ist das Kind gleichmütig weiter an der Umwelt interessiert, oder beginnt es zu weinen und lässt sich rasch und dauerhaft beruhigen, wird die Trennungszeit auf maximal dreißig Minuten ausgedehnt.
  • Wirkt das Kind nach dem Weggang der Mutter verstört oder beginnt untröstlich zu weinen, kommt sie sofort zurück. Den nächsten Trennungsversuch unternehmen Erzieherinnen und Elternteil erst wieder nach einigen Tagen. Bis dahin nimmt die Vertrauensperson wie bisher am Geschehen in der Spielgruppe teil.
Stabilisierungsphase

Nachdem die Grundphase abgeschlossen ist, setzt die Stabilisierungsphase ein. Nun überlässt die Mutter es immer öfter den Erzieherinnen, auf die Signale des Kindes zu reagieren und hilft nur noch, wenn das Kind dies ablehnt. Nur, wenn sich das Kind beim Trennungsversuch trösten lies, kann die Trennungszeit ausgedehnt werden. Wie lang die Trennungszeit ausgedehnt wird, ist abhängig vom Verhalten des Kindes. Klare Versuche des Kindes, selbst mit Belastungssituationen fertig zu werden und die Hinwendung zu einer der Erzieherinnen sprechen für ein kürzere Eingewöhnungszeit, das heißt etwa zwei Wochen. Häufige Blick und Körperkontakte mit dem Elternteil und das heftige Verlangen nach dessen Rückkehr sind Hinweise für eine längere Eingewöhnungszeit, das heißt etwa drei bis vier Wochen. Die Eingewöhnung ist beendet, wenn das Kind die Erzieherin als sichere Basis akzeptiert hat und sich von ihr trösten lässt.

Schlussphase

Ab dem fünften Tag versuchen die Erzieherinnen, immer mehr die Versorgung des Kindes zu übernehmen. Sie spielen mit ihm, unterstützen es beim An- und Ausziehen, Rucksack aufsetzen, Ein- und Auspacken oder wickeln es.

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